Georg Wieser und Christoph Andrich

Integration von Moslems in die westliche Welt - (un)möglich?  

 

Diese Frage bestimmte während der gesamten Projektarbeit meistens unsere Recherchen. Dabei mussten wir feststellen, dass sie nicht einfach zu beantworten ist.  

Integration bringt Veränderungen mit sich, und das ist oft nicht einfach. Keine der beiden betroffenen Seiten ändert gerne ihre Verhaltensweisen, insbesondere ihre Kultur. Doch um zu einer weitreichenden Integration zu gelangen, ist gerade dieses erforderlich. Dabei stellt sich die Frage, welche der betroffenen Parteien sich ändern muss und wie viel Veränderung notwendig ist. Dabei muss man berücksichtigen, dass das Aufgeben von Ritualen auch einen Bruch mit der Tradition in den jeweiligen Religionen bedeutet.

Als erste Schritte der Annäherung konnten wir u.a. die Erlaubnis des Schächten sowie den Bau von Moscheen in Deutschland feststellen. Wurden die Gebetshäuser noch von der Bevölkerung  toleriert, so hörte die Akzeptanz bei dem Gebetsruf von den Minaretten auf.

Auf der einen Seite ist dieses aus der Sicht eines Christen verständlich, aber es kann auch ein Hindernis auf dem Weg zur Integration sein.

Viele Moslems werden mit dem Verbot nicht einverstanden sein. Das wiederum ruft Aggressionen gegenüber der westlichen Welt hervor, die doch eigentlich vermieden werden sollten. Trotzdem sind wir der Meinung, dass die Muslime freiwillig auf den Gebetsruf verzichten sollten, da dieses akustische Signal wegen seiner Fremdheit und religiösen Problematik in einem vom Christentum geprägten Land unnötig provozieren würde.

Ähnlich wie die zu Wort gekommenen Experten halten auch wir einen schulischen Religionsunterricht für Muslime für wichtig, wenn dieser unter Aufsicht des Staates geschieht und auch Lerninhalte aufnimmt, die nicht unmittelbar mit dem Islam zusammen hängen.   

Eine weitere Möglichkeit ist ein konfessionsübergreifendender Religionsunterricht. Ein Teil unseres Kurses befürwortet diese umstrittene Form, die in Brandenburg schon praktiziert wird. Dabei könnten ethische Grundsätze vermittelt und der theoretische Hintergrund verschiedener Religionen behandelt werden. Ein großer Vorteil eines derartigen Schulfaches wäre sicherlich der von Rolf Bade geforderte Dialog zwischen Schülern unterschiedlicher kultureller Prägung.

Bei all diesen Ansätzen zur Integration bleibt ein Problem weiterhin erhalten. Durch die terroristischen Anschläge im Namen des Islam bekommen viele Bürger der westlichen Welt ein falsches Bild der Moslems und pauschalisieren zu sehr. In vielen europäischen Ländern sind rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch. Dabei müssten gerade die Politiker mit gutem Vorbild vorangehen und die Integration fördern. Ihre zum Teil fremdenfeindlichen Aussagen und Wahlslogans kommen auch bei intelligenteren Bürgern oft gut an, da man sich zu wenig mit dem Islam beschäftigt und deshalb die Hintergrundinformationen fehlen. Daraus resultieren u.a. Bücher und Leserbriefe, die sich gegen den Islam richten und nach ihrer Veröffentlichung meistens große Zustimmung erhalten, insbesondere von denen, die sich vorher nicht trauten ihre Meinung zu äußern und nun froh sind, dass es jemand anderes für sie getan hat. Dabei fehlt vor allem bei den letztgenannten die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Islam.

Ein weiterer wesentlicher Hemmfaktor auf dem Weg der Integration scheint uns die wirtschaftliche Lage in der westlichen Welt. Bei 4,2 Millionen Arbeitslosen haben nicht nur viele Zuwanderer, sondern auch Einheimische hier keine Arbeit. Diese Tatsache erschwert die Integration, weil durch das fehlende Geld die Unzufriedenheit wächst und die Kriminalität steigt. Untersuchungen in Großbritannien belegen diese These. Auch in diesem Punkt sind wiederum die Politiker gefordert, Abhilfe zu schaffen. Denn, darin sind sich die Fachleute einig, je besser die wirtschaftliche Integration gelingt, desto besser auch die gesellschaftliche.

Einer der wichtigsten Punkte ist die Sprache. Durch die häufig vorhandene Ausgrenzung der Muslime oder durch Selbstisolation ist die Möglichkeit des Erlernens der jeweiligen Landessprache stark eingeschränkt. Aufgrund der Ausgrenzung bilden sich oft Ghettos, in denen nicht die deutsche Sprache gesprochen wird, sondern die jeweilige Muttersprachen.

Unserer Meinung nach ist diese Tatsache nicht vorteilhaft für die Integration. Auch der Bundespräsident Johannes Rau hat in den vergangenen Monaten auf die Bedeutung der Sprachbeherrschung hingewiesen und diese von den  Zuwanderern auch eingefordert.

Auch wenn sich die Lage der Muslime in den einzelnen europäischen Ländern unterscheidet, wie wir in den kurzen Länderporträts sehen konnten, scheint uns wichtig, das Problem im europäischen Kontext zu betrachten. Zumindest die drei Länder mit einer großen muslimischen Minderheit, Frankreich, Deutschland und Großbritannien, sollten ihre Integrationsanstrengungen abstimmen.  

Letztendlich muss man sich auch überlegen, welchen Stellenwert die Religion in einem modernen Staat noch haben darf, denn ist sie nicht eigentlich eine Privatangelegenheit, außerdem ist die Religion für viele Bürger eher unwichtig geworden.

 

Interkultureller Studiengang der Joensuu Universität in Finnland

"Christen und Moslems schließen sich zusammen"