
Sabrina Tischer
Vorgeschichte
des Islams in Großbritannien
Der
folgende Text erläutert am Beispiel der Pakistani, wann und warum
die ersten Muslime nach Großbritannien kamen. Die Pakistani stellen die
größte muslimische Gruppierung in Bradford dar.
Deshalb befasst sich der Text mit den Pakistani in Großbritannien, speziell mit
den Pakistani in der englischen Stadt Bradford.
In
Folge des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und um interne Arbeitsmängel
auszugleichen warb Großbritannien nach dem 2. Weltkrieg viele Ausländer als
neue Arbeitskräfte an. Vor allem für manuelle und meist schlecht bezahlte
Arbeit in der Bau- und Textilindustrie aber auch in der Bleigießerei suchten
die Briten Arbeiter. Neben Iren und Arbeitern aus Ost- Mittel- und Südeuropa
warb die britische Regierung Ende der 40er Jahre auch junge unverheiratete Männer
aus Indien, Pakistan und aus der Karibik an. Die meisten der Pakistani, die nach
Großbritannien, speziell nach Bradford kamen, stammten aus den ländlichen
Regionen Pakistans. Zu dieser Zeit lebten in Pakistan rund 80% der Bevölkerung
von der Landwirtschaft. Es konnte jedoch aus verschiedenen Gründen (das Land
war zu bergig und die Bewässerungsmöglichkeiten sehr schlecht) nur die Hälfte
des Landes für die Landwirtschaft genutzt werden. Aus diesem Grund war das
Angebot aus Großbritannien für viele junge Menschen so verlockend.
Die
ersten Pakistani und Inder, die sich in Großbritannien ansiedelten, waren
jedoch die Seeleute. Diese Seeleute wollten allerdings nicht in Großbritannien
seßhaft werden. Sie blieben immer nur eine gewisse Zeit in Großbritannien um
Geld zu verdienen und damit ihre Familien versorgen zu können. Nach einigen
Jahren kehrten diese Seeleute dann relativ wohlhabend in ihr Heimatland zurück.
Vorher sorgten sie jedoch noch dafür, dass an ihrer Stelle ein junges
Familienmitglied nach Großbritannien auswandern konnte. So sollte der jeweilige
Wohlstand gesichert werden. Die Erfolge der ersten Seeleute ( auch genannt
Pioniersiedler) zogen viele weitere Landsleute an.
Außerdem
gab es noch zwei weitere bedeutende Gründe, die die Pakistani zur Auswanderung
nach Großbritannien bewegten. Der erste Grund war die Teilung Indiens und die
damit verbundene Gründung Pakistans 1947. Es gab zu große Unterschiede
zwischen Hindus und Moslems, deshalb entschied man sich für eine Teilung. Durch
die Gründung des Staates Pakistan kam es also zu einer großen Wanderungs- und
Umsiedlungsbewegung, die vor allem das ehemalige Ost- und Westpakistan betraf.
Außerdem
kam es Anfang der 60er zu einer zweiten Auswanderungswelle in Pakistan. Der
Grund lag darin, dass zu dieser Zeit in Pakistan der Mangla-Staudamm erbaut
wurde. Durch den Bau des Staudamms wurden viele Menschen vertrieben oder
umgesiedelt. Insgesamt mußten ungefähr 100000 Menschen ihre Dörfer verlassen.
Die pakistanische Regierung unterstützte deshalb die Menschen bei der
Auswanderung. Nach 1962 nahm die Zahl junger, männlicher pakistanischer
Einwanderer nach Bradford ab. Da die Pakistani jedoch ihre Familien nachholten
und die Geburtsraten auch hoch waren, vergrößerte sich die Anzahl der
Pakistani in Bradford weiter.
Die
meisten ethnischen Minderheiten leben heute in den großen Ballungszentren Großbritannien
wie z.B. in London. In London sind 55% der Afro-Kariben des ganzen Landes
beheimatet, allerdings nur 22% der Pakistaner. (Tabelle 2) In Bradford ist der
Anteil an Pakistanis jedoch überpropotional hoch (siehe Tabelle 1). Der Grund
liegt darin, dass die Pakistaner sich vorwiegend in der Textilbranche niederließen
und Bradford eine wichtige Textilbranche besaß. ( Tabelle 3)
Heute sieht es für die Pakistaner in Bradford mehr als schlecht aus. In
Bradford mussten viele Stelle abgebaut werden. Für die Pakistaner und andere
ethnische Minderheiten ist es schwer neue Arbeiten zu finden, da sie einerseits
teilweise nicht die nötige Qualifikation besitzen aber andererseits von den
Arbeitgebern auch oft diskriminiert werden. Während früher der Grund für
Ablehnungen das schlechte Englisch der jeweiligen Bewerber gewesen ist, wird
heute oft auf die „unterschiedliche“
Kultur hingewiesen, die angeblich das Betriebsklima schwächen soll. Gerade für
die zweite und dritte Generation der Einwanderer ist die Lage äußerst
schlecht.
Heute
leben in Großbritannien 639390 Pakistaner und Bengalen. Großbritannien hat
eine der größten muslimischen Gemeinden in Westeuropa. Die Anzahl der Muslime
liegt zwischen 1 und 1,5 Millionen. Es gibt in Großbritannien mehr als 600
Moscheen und Gebetshäuser. Eine der wichtigsten Institutionen in der westlichen
Welt ist die zentrale Moschee in London mit dem dazugehörigen Islamischen
Kulturzentrum.
Quellen:
Hans Kastendiek/Karl Rohe/Annegret Volle (Hrsg.): Länderbericht Großbritannien - Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft (Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung Band 354), Bonn 1998
Sigrid Baringhorst: Fremde in der Stadt - Multikulturelle Minderheitenpolitik, dargestellt am Beispiel der nordenglischen Stadt Bradford (Nomos Universitätsschriften: Politik; Band 22), Baden-Baden 1991
http://de.travel.yahoo.com/travel/de/europa/Laender/Großbritannien/briefly.html
http://www.britischebotschaft.de/de/britain/ab_1.hlm
http://www.urmila.de/Desisin D/Europa/regionen.html http://magazine.orf.at/report/int/sendungen/0107004/010704_teaser_2.html
