Markus Ritter und Simon Bösenberg

Intellektuelle in der aktuellen Kontroverse über den Islam              

 

Die ewige Diskussion über den Islam seit dem 11. September wird nicht nur in der breiten Bevölkerung geführt, sondern gerade die intellektuelle Elite aller Nationen führt einen heftigen Disput zur Verträglichkeit des Islam mit der westlichen Kultur. Die Problematik der geführten Kontroverse liegt in der Art und Weise, mit der sich die verschiedenen Stimmen zu ihr äußern. Auf der einen Seite emotional provokante, wissenschaftlich fundierte sowie politisch motivierte Äußerungen, die den Menschen ein glaubwürdiges Bild der Situation bieten, auf der anderen aber ein trügerisches Bild, „zerfressen vom Ressentiment“.  

Der Literaturprofessor Abdelwahab Meddeb, ein französisch- tunesischer Schriftsteller islamischer Herkunft behauptet in seinem Buch: „Der Islam ist krank!“.   

„ Die Metapher der Krankheit ist sehr präsent in der Literatur. Ich dachte an Voltaire, der in seinem Traktat die Krankheit des Katholizismus diagnostiziert hat: Fanatismus und Intoleranz. [...] Und so kann ich sagen: Die Krankheit des Islam ist der Fundamentalismus.“

 Meddeb, obwohl streng gläubig erzogen, übt seinen Glauben nicht länger aus, weil er im Islam eine rückwärtsgewandte Religion, mit starkem, negativen Einfluss in der Welt sieht.

 „Nicht der heilige Krieg gegen die Ungläubigen, sondern der Kampf gegen die Unterentwicklung - das ist der wahre Djihad.“ So beruft sich Meddeb bei seiner Kritik auf einen Kernsatz des tunesischen Ex-Staatschefs Bourguiba, der stets bemüht war sein Volk aufzuklären und von einem rückwärtsgerichteten Islam wegzuführen. 

In der geschichtlichen Entwicklung hat sich der Islam von einer fortschrittlichen Religion zum archaischen Irrglauben gewandelt:

 „Dieses Gefühl der Kränkung nehme ich als Ausgangspunkt für meine Genealogie des Fundamentalismus. [...] Ich habe versucht den historischen Punkt herauszufinden an dem sich die aristokratische Moral, die prägend war für den Islam, in Kränkung und Ressentiment verwandelt hat. [...] Als die islamischen Länder in den Prozess der Demokratisierung eintraten, haben die Menschen ihn als eine Demokratisierung ohne Demokratie kennen gelernt. In diesem sehr diffusem Prozess gab es eine gigantische Masse von Halbgebildeten, von Frustrierten in einer plötzlich sehr komplexen Gesellschaft, die nur äußerlich verwestlicht war. Diese unzufriedenen Halbgebildeten sind der Nährboden für den Fundamentalismus.“

Den Nährboden für den Fundamentalismus sieht Dr. Dr. Peter Antes, Professor für Religionswissenschaft, ebenfalls in der westlichen Gesellschaft:  

 „Der Islamismus spricht vor allem die an, die am Rande der Gesellschaft stehen, ausgegrenzt sind, gar nicht am Produktionsprozess beteiligt sind und leiht ihnen seine Stimme indem er moralisch Anklage erhebt gegen ein System, das gefangen im Teufelskreis der Sachzwänge und Marktstrategien den Menschen vergisst oder ihn rein wirtschaftlichen Interessen opfert.“

 In vielen Stellungnahmen, äußern sich aber auch verängstigte, emotional aufgebrachte und panisch aggressive Europäer zur Thematik. 

 Navid Kermani schreibt in einer Polemik der Frankfurter Rundschau:

„Da gerieren Literatur- und Theaterkritiker sich plötzlich als Experten für das gemeingefährliche Wesen des Islam, ohne sich zu genieren, dass ihr Wissen sich auf zwei, drei Werken der Populärwissenschaft erstreckt.“

 Adelgunde Mertensacker ist zwar weder Literatur- noch Theaterkritikerin, verfasst aber radikale Bücher und fast hetzerische Reden für die Christliche Mitte. Diese Partei versteht sich als „Sammelbewegung für Konservative, Patrioten, Christen und enttäuschte ehemalige CDU-Mitglieder“. Mit ihren 18.000 Mitgliedern möchte sie „die unwählbar gewordene CDU/CSU ablösen“, und an ihre Stelle treten. Ihre Ziele sind unter anderem das Verbot der Abtreibung, sowie Unterbindung der „fortschreitenden Islamisierung Deutschlands.“

 Mertensacker interpretiert aus zweifelhaften Quellen, Koransuren dahingehend, dass die  Muslime die Herrschaft Allahs auf der ganzen Welt anstreben. Dafür verwenden sie angeblich Lügen, falsche Beteuerungen und geheuchelten Integrationswillen. Alle Muslime streben, laut Mertensacker, somit die Weltherrschaft an und sind eine vehemente Bedrohung nationaler Sicherheit und planen die Islamisierung aller Völker. In einer Rede äußerte sie sich wie folgt: „Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. Der Islam aber will die Herrschaft Allahs und zwar über die ganze Welt.“ oder „Können sich Muslime integrieren? Muslime wollen sich nicht integrieren. Das heißt, [...] wir haben uns den Wünschen der Muslime anzupassen!“

 Ein weiteres Irrlicht in der Diskussion um den fundamentalistischen Islam, beschreibt Kermani in seinem Artikel:

„Er (der Journalist Siegfried Kohlhammer) paart dezidiert fundamentalistische Auslegungen des Islam mit Zitaten aus dem Orientalismus des 19. Jahrhunderts, mengt Massaker und Eroberungen, die es natürlich in der islamischen Geschichte gegeben hat, zusammen mit Halbwahrheiten und eigenen aus dem Zusammenhang gerissenen Koranzitaten, und schon sieht die Geschichte des Islam aus wie ein einziges Kabinett des Horrors.“ 

 Diese Argumentation lässt leicht ein „Denken in Karikaturen“ zu:

„ Wie billig ein solches Muster ist wird daran deutlich, wie leicht es sich ins Gegenteil verkehren lässt: Kolonialismus, Kreuzzüge, der Völkermord an den Indianern, Inquisition und  Jesu Missionsbefehl, Tschetschenien, Irak, Sabra und Schatila, Palästina, Srebrenica und die christliche Propaganda der Serben, die dezidiert biblische Legitimation der Apartheid, Holocaust, zwei Weltkriege, zur Variation jetzt auch gern die Elfenbeinküste,  all das versehen mit ein paar Heiligkriegszitaten von Bibel, Bush und Berlusconi und von führenden Amerikahassern interpretiert, schon hat man genügend Belege gesammelt um die Einfältigen von der eingeborenen Aggressivität des Christentums zu überzeugen.“

 Schließlich weiß man am Ende nicht so recht, was man von den verschiedenen Islamkritikern halten soll, die sich einerseits, wie Abdelwahab Meddeb konsensfähig und offen geben, dann aber den Skandal Romancier Michel Houellebecq in seiner Aussage: „ Der Islam ist die dämlichste aller Religionen!“ ,voll unterstützen, um Meinungsfreiheit zu propagieren.

 Und so breitet sich auch in der westlichen Welt immer mehr eine Rhetorik aus, „die nicht mehr konkrete Gruppierungen, Richtungen oder Staaten der islamischen Welt für gefährlich erklärt, sondern den Islam als solchen, damit also jeden Muslim.“, so Kermani.

Unter den Europäern macht sich bereits ein Trend zur Distanzierung von ausländischen Mitbürgern bemerkbar, der sich am deutlichsten im Wahlverhalten der eingeborenen Bevölkerung  wiederspiegelt. „In Dänemark, Holland und Italien wird mit dem Feindbild bereits Politik gemacht. [...] Ist das Ressentiment erst einmal als politische Waffe eingeführt, ist es eine bloße Frage des Kalküls, auf wen man sie richtet.“

 Die Verunsicherung der Menschen, steigt nach immer mehr Terroranschlägen stetig an. Der Aufklärer Meddeb entkräftet aber die Bedrohung durch den fundamentalistischen Islam: „Ich glaube, die reale Bedrohung wird sehr übertrieben. Seit dem 11. September denken Viele, der Krieg sei erklärt. Aber diese Leute haben weder die Mittel, den Krieg zu führen, noch ihn zu gewinnen. Sie werden ihn verlieren. [...] Jeder neue Anschlag ist nur ein Zeichen der Schwäche.“

 Muslime in Deutschland müssen sich, um ihren Glauben auch weiter unbehelligt ausüben zu können, einer auf Konsens angelegten Diskussion unterziehen.

 Man muss sich auch mit den Beweggründen der Muslime, zur teilweisen oder kompletten Ablehnung des westlichen Rechts- und Religionssystems auseinandersetzen. Sie gehen hierbei davon aus, dass die Demokratie sie von Gott entferne. Professor Peter Antes versucht zu erklären: „Richtig ist zu sagen, dass sich die Muslime um den Erhalt der sittlichen Ordnung sorgen und nach Wegen suchen, diese sicherzustellen. Eine beliebig offen ausgelegte Volkssouveränität wird hier nicht als ausreichende Garantie dafür angesehen.“

 Abschließend stellt sich natürlich die Frage nach der Zukunft eines Islams, der in der westlichen Kultur verfestigt ist.

 

Quellen: